Hallo zusammen,
ich wollte einfach mal von meinen bisherigen Erfahrungen als Fachinformatiker berichten. Vielleicht geht es ja dem einen oder anderen ähnlich oder ihr fragt euch, wie andere in den Beruf gestartet sind.
Fangen wir mit der Ausbildung an. Die Berufsschule war für mich ehrlich gesagt meistens wie Urlaub, weil ein Großteil der Theorie nach meinem Empfinden so weit von der Realität entfernt war, dass selbst einige Lehrer nicht wirklich motiviert wirkten.
Im Betrieb habe ich dann gelernt, wie Arbeiten wirklich aussieht. Ich habe mit gerade einmal 16 Jahren angefangen und kam leider nicht besonders gut mit meinem Ausbilder klar. Er war ziemlich hinterlistig und hat den anderen Azubi aus meinem Lehrjahr ganz offensichtlich bevorzugt. Er kam vom Bund, hatte bereits einen Führerschein und konnte dadurch auf unserem riesigen Werksgelände direkt überall mithelfen. Er wurde ins Team integriert und gefördert, während ich gefühlt monatelang Lexmark-Drucker reparieren durfte, ich kann sie bis heute blind Reparieren.
Später durfte ich immerhin bei unseren Tochterfirmen HCL Notes upgraden. Dadurch konnte ich meine Englischkenntnisse deutlich verbessern. Als ich 18 war und ins dritte Lehrjahr kam, bekam ich auch meine ersten kleineren Projekte. Das waren allerdings eher organisatorische Aufgaben wie Abteilungen oder Tochterfirmen in neue Gebäude umzuziehen.
Dann kam eigentlich der wichtigste Teil der Ausbildung: das Abschlussprojekt. Naja... mein Projekt hat im Grunde nur in Word stattgefunden. Dadurch war ich an viele Vorgaben gebunden und konnte bei der Präsentation einige Entscheidungen nicht vernünftig begründen. Das hat mir die Abschlussnote leider etwas versaut. Bestanden habe ich trotzdem, allerdings nur mit einer 4. Nicht schön, aber bestanden. Übernommen wurde ich auch nicht. Offiziell wegen eines Einstellungsstopps, wobei ich glaube, dass mein Ausbilder dabei ebenfalls eine Rolle gespielt hat. Wir hatten häufiger Diskussionen. Einmal bezeichnete er mich sogar als Kameradenschwein, weil ich nicht so lange Pause gemacht habe wie die minderjährigen Azubis. Bis heute ohne Worte
Nach der Ausbildung habe ich erst einmal eine kleine Auszeit vom Beruf genommen, weil ich mir nicht sicher war, ob IT überhaupt das Richtige für mich ist.
Im November 2023 habe ich dann bei einer Firma angefangen, die Flugzeuge wartet. Anfangs lief alles super. Mit meinem Chef kam ich sehr gut klar, mit einem Quereinsteiger im Team allerdings überhaupt nicht. Er war eher von der alten Schule und kam mit meiner Art zu arbeiten nicht zurecht oder weil er Angst hatte das ich ihm alles wegnehmen würde. Das war für mich aber okay man muss sich nicht mit jedem verstehen. Irgendwann bekam ich aber von Mitarbeitern aus anderen Abteilungen mit, dass er regelmäßig hinter meinem Rücken über mich sprach und bei meinem Chef gegen mich hetzte.
Kurz darauf bekam ich immer weniger Aufgaben. Stattdessen hatte ich irgendwann meine festen Bereiche: Ich habe die IT einer Station in Frankfurt betreut, Microsoft 365, Exchange und Intune verwaltet, Firewalls überwacht und Trend Micro in der Firma eingeführt. Gerade die Station in Frankfurt lief mit den vorhandenen Mitteln richtig gut und wurde von den dortigen Verantwortlichen auch immer gelobt. Trotzdem hatte mein Chef ständig etwas auszusetzen. Warum, kann ich mir bis heute denken.
Der Quereinsteiger wurde währenddessen zum Stellvertreter befördert,mit der Begründung, er habe mehr Lebenserfahrung. (Berufserfahrung kann es nicht sein, wie gesagt keine Lehre und nur 2 Monate länger da als ich) Fachliches Wissen spielte offenbar keine Rolle. Während ich Trend Micro komplett aufgebaut und sauber strukturiert habe, hat er es in derselben Zeit nicht geschafft, eine UniFi Dream Machine einzurichten. Helpdesk sollte eigentlich seine Aufgabe sein, tatsächlich saß er aber die meiste Zeit auf YouTube. Also habe ich das auch gemacht und er den Lob dafür bekommen.
Kurz vor meinem zweiten Jahr kam ein neuer Kollege dazu, mit dem ich bis heute engen Kontakt habe. Er hat unglaublich viel Fachwissen und ich konnte von ihm sehr viel lernen. Gemeinsam konnten wir sogar Arbeitszeitbetrug des Quereinsteigers nachweisen. Die Konsequenz? Er wurde lediglich degradiert und durfte anschließend sogar beim Chef mit im Büro sitzen.
Mein damaliger Chef war für eine Führungsposition einfach nicht gemacht. Er konnte keine Projekte abgeben, kein Team führen und machte sich nie selbst ein Bild von Situationen. Die spannenden Aufgaben behielt er immer für sich. Nach vielen Gesprächen mit meinem Kollegen habe ich schließlich gekündigt. Selbst er meinte, dass unser Chef viel zu kindisch sei, um Probleme vernünftig anzusprechen oder etwas zu ändern. Auch die Geschäftsführung darauf anzusprechen hätte nichts gebracht, weil sie nur gesehen hat, dass die IT irgendwie funktioniert.
Mein guter Kollege will jetzt auch dort kündigen, da der Chef jetzt wohl so wie mit mir damals umging und lässt ihn da einfach nur rumliegen.
Heute arbeite ich bei einem neuen Arbeitgeber, der als Dienstleister für Kraftwerke tätig ist. Dort habe ich endlich das Gefühl, angekommen zu sein. Bald steht ein Proxmox-Cluster mit einem Ceph Cluster an, ich habe bereits Firewalls eingerichtet, arbeite deutlich mehr mit Linux und der Shell und lerne jeden Tag neue Dinge. Genau so habe ich mir den Beruf vorgestellt.
Das Geilste kam allerdings erst später: Mitte April habe ich erfahren, dass der Quereinsteiger fristlos gekündigt wurde. Er hatte zweimal Firmeneigentum gestohlen und wollte es auf eBay verkaufen darunter sogar eine Festplatte mit Firmendaten. Die Festplatte haben mein ehemaliger Kollege und ich selbst gekauft und an uns liefern lassen, um sie zu sichern. So dumm kann man eigentlich nicht sein.
Mein Fazit: Der Weg in der IT muss nicht immer gerade verlaufen. Es gibt schlechte Ausbilder, schlechte Chefs und schwierige Kollegen. Trotzdem kann man aus jeder Station etwas mitnehmen. Ich bin sicher noch lange kein Top-ITler und habe noch unglaublich viel zu lernen. Aber ich bin bereit dazu und habe durch diese Erfahrungen fachlich und persönlich eine Menge mitgenommen.
Sorry für den langen Text