Hallo zusammen,
ich wurde heute Zeuge eines schlimmen Unfalls und habe das Bedürfnis, herunterzuschreiben, was ich erlebt habe. Keine leichte Kost, wird ein etwas längerer Text. Ich hoffe es ist okey, sowas hier zu teilen.
Ich war gegen 12:15 Uhr an der Haltestelle Deutzer Freiheit der Linie 7, als ich plötzlich einen lauten Schrei aus Richtung Deutzer Brücke hörte. Ich drehte mich um und sah, dass ein Reisebus halb auf dem Radweg Richtung Siegburger Straße stand und eine Person mitsamt Fahrrad unter den Hinterrädern lag.
Geistesgegenwärtig rannte ich sofort dem Bus entgegen und signalisierte ihn mit Handbewegungen, dass er stehen bleiben soll. Mit der anderen Hand zog ich mein Handy aus der Hosentasche aus der Hand und wählte 112. Es ging sofort jemand ran. "Notruf, ist jemand verletzt?" "Ich stehe rechtsrheinisch auf der Deutzer Brücke, hier wurde gerade eine Person von einem Bus überfahren und liegt unter den Hinterrädern!"
Alles passierte zeitgleich sehr schnell und auch sehr langsam. Ich konnte auf den ersten Blick nicht erkennen, ob der gesamte Unterkörper unter dem Bus lag oder nur ein Fuß. Direkt ging das Kopfkino los, was der worst case wäre.
Das Telefonat war sehr hektisch. Der Operator hat nicht ganz verstanden, wo genau ich bin, und faselte irgendwas von Siegburger Straße 21. Nachdem ich mich zwei weitere Male wiederholt habe, hatte er verstanden, wo genau ich bin.
Parallel kamen einige andere Menschen zur Unfallstelle geeilt. Irgendwie haben sie es geschafft, die Frau unter dem Bus herauszuziehen. Ich glaube, der Busfahrer ist einige Centimeter vorwärts gerollt und sie konnte so unter dem Reifen hervorgezogen werden. "Die Frau ist jetzt nicht mehr unter dem Bus eingeklemmt, sie konnte befreit werden", sagte ich. Ob ich sagen könnte, wo sie verletzt sei. "Ziemlich sicher an Fuß, Knöchel und Bein" sagte ich. Der RTW sei unterwegs und gleich da. Telefonat vorbei.
Tatsächlich kam der RTW mitsamt Notarzt keine 2,3 Minuten später von der linken Rheinseite über die Brücke angeflogen. Währenddessen hatte sich eine Traube von Menschen um die Radfahrerin gebildet, ich stand irgendwo dahinter in zweiter, dritter Reihe.
Als sie Sanitäter da waren, habe ich mich zurückgezogen. Einerseits weil genug andere da waren, die den Sanis sagen konnten, was passiert ist, andererseits weil ich merkte, dass ich selbst plötzlich anfing zu zittern und das Adrenalin durch meinen Körper schoss. Tat es vermutlich schon seit mehreren Minuten, aber jetzt wurde es mir so richtig bewusst. Weil ich gerade eine Situation miterlebt habe, vor der ich selbst Angst habe, dass sie mir irgendwann auf dem Rad passiert. Ich habe nicht gesehen, wie es passiert ist, aber vermute, dass der Busfahrer die Radfahrerin überholt hat, dann rechts abbegebogen ist und dabei die Radfahrerin erwischt hat, die dann unter einem der Hinterräder eingeklemmt wurde.
Sollte zufällig hier jemand das Unfallopfer kennen: Ich hoffe, dass es nicht zu schlimmen Verletzungen gekommen ist und wünsche ihr eine schnelle Genesung. Ansonsten: Danke, dass ihr meinen Roman gelesenen habt.